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Neu am MSG - Einführung der Lernzeit (oder die Entdeckung der Stille)


Die Lehrkraft ist krank, muss auf eine Fortbildung oder ist mit einer anderen Klasse in Sachen Schule unterwegs. Um trotzdem eine sinnvolle Nutzung der Unterrichtszeit zu ermöglichen, haben wir am MSG die so genannte „Lernzeit“ eingeführt.
Zunächst  bemühen sich die Stundenplaner beim Ausfall einer Lehrkraft natürlich um den Ersatz durch anderen Fachunterricht. Dieses Vorgehen hat aber seine Grenzen. Denn oft ist es nicht möglich, in der entsprechenden Stunde tatsächlich eine Lehrkraft einzusetzen, die in der betroffenen Klasse Fachunterricht hat. Außerdem kann schon von Rechts wegen den Lehrkräften nur eine klar begrenzte Zahl von zusätzlichen Unterrichtstunden zugemutet werden. Da lässt sich dann Stundenausfall nicht  vermeiden.
Oft aber ist auch deswegen kein sinnvoller Ersatzunterricht möglich, weil es sich um eine Teilungs-gruppe handelt, die sich aus Schülerinnen und Schülern mehrerer Klassen zusammensetzt und die daher im Stundenplan nicht beweglich ist. Dann muss irgendeine Vertretungskraft als Aufsicht in die Gruppe. Eine klassische Vertretungssituation also, die bislang, wenn die Lehrkraft nicht ganz spontan eine sinnvolle Lerneinheit aus dem Hut zauberte,  mangels besserer Alternativen „klassisch“ für die Erledigung von Hausaufgaben oder für seit Jahrzehnten beliebte Spiele wie „Stadt, Land, Fluss“ oder „Bingo“ „genutzt“ wurde.
Wenn eine solche Situation bereits am Vortag absehbar ist, setzen wir seit diesem Schuljahr im Vertretungsplan die „Lernzeit“ an. Sie findet unter Aufsicht einer Lehrkraft, die nicht regulär in der Klasse unterrichtet, statt.
Diese Stunde verläuft in absoluter Stille und kann von jedem Schüler und jeder Schülerin selbstständig zum Lernen genutzt werden. So lernt in einer Lernzeit-Stunde der eine Vokabeln, ein anderer lernt auf eine Klassenarbeit, andere machen Hausaufgaben und wieder andere lesen einfach ein Buch. D. h. aber auch, dass jeder sich selbst organisieren muss, vorplanen muss und  selbst  Material mit zur Schule bringen muss. Unsere Schülerschaft ist durch die Lernzeit in die Selbstverantwortung gerufen.

Damit es wirklich funktionieren kann, dass 20 bis 30 Kinder und Jugendliche still dasitzen und diszipliniert arbeiten, braucht es aber klare und – bewusst - auch strenge Regeln. Daher gilt:

1. Vor der Arbeitsphase müssen alle benötigten Arbeitsmaterialien bereitgelegt werden.

2. Die Aufsicht sagt Beginn und Ende der Stillarbeitsphase an.

3. Jeder sitzt an seinem Platz und arbeitet still für sich selbst.

4. Während der Arbeitsphase finden keinerlei Austausch und Gespräche statt.

Mit einer gelben Karte verwarnt die Lehrkraft Schülerinnen oder Schüler, die gegen die Regeln verstoßen, mit der roten Karte wird der Schüler des Lernraums in die Auszeit verwiesen.

Unsere ersten Erfahrungen:
Wir Lehrkräfte waren überrascht darüber, wie problemlos und diszipliniert sich die Schülerinnen und Schüler auf das neue Konzept einließen. Immer wieder melden uns die Kinder und Jugendlichen zurück, dass sie diese stillen Zeiten des Lernens richtiggehend genießen. Auch wünschen sich einige Klassen den Einsatz der gelben und roten Karte als Aufmerksamkeitssignale im alltäglichen Unterrichtsgeschehen. Die Lernzeit wird also fürs Erste fester Bestandteil unseres Schullebens bleiben.