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G8 und G9 am Margarete-Steiff-Gymnasium

Zwei Wege – ein Ziel

Seit dem Schuljahr 2012/13 nimmt das MSG Giengen als eine von landesweit 44 Modellschulen am Schulversuch „Zwei Geschwindigkeiten zum Abitur (G8/G9)“ teil. Die bisherigen Erfahrungen sind an unserer Schule durchweg erfreulich. In den ersten beiden Klassenstufen, in denen Schüler und Eltern die Wahl hatten, entschied sich eine deutliche Mehrheit für das G9. Während aber 2012/13 und 13/14 auch unser G8-Konzept genügend Eltern und Schüler überzeugt hat, dass wir jeweils eine G8-Klasse bilden konnten, haben sich im dritten Jahr des Schulversuchs Eltern und Schüler mit so deutlicher Mehrheit für G9 entschieden, dass wir nun in Jahrgangsstufe 5 vier G9-Klassen, aber keine G8-Klasse haben. Dennoch wollen wir auch in Zukunft unser G8-Konzept weiterentwickeln und anbieten.

Zwei Wege – die organisatorische Umsetzung von G8 und G9 am MSG

Für den Schulversuch G9 werden vom Land 12 Wochenstunden pro Klasse zur Verfügung gestellt, die zur Übung und Vertiefung in den Kernfächern eingesetzt werden. Weiterhin werden die Inhalte des Bildungsplans im G9-Konzept des MSG in den Klassen 5-10 um ein Jahr gestreckt. Dies bedeutet, dass zum einen einige Fächer später starten als im G8, darunter die zweite Fremdsprache. Zum anderen strecken wir in einigen Nebenfächern den Stoff und die vorgesehene Unterrichtszeit eines Jahres auf jetzt zwei Jahre. Die Schülerinnen und Schüler des G9 haben also mehr Zeit für das Erlernen des gleichen Unterrichtsstoffs. Daher kann auch der Nachmittagsunterricht im G9 deutlich reduziert werden – ein Wunsch vieler Eltern und Kinder.

Lernen in einer G8-Klasse bedeutet sicherlich mehr zeitlichen Aufwand für Nachmittagsunterricht und die auch im G8 nicht zu vermeidenden Hausaufgaben. Der Vorteil des G8-Konzepts am MSG gegenüber dem G9-Konzept liegt aber darin, dass hier mehr Wochenstunden für Unterricht in Kleingruppen und die individuelle Förderung vorgesehen sind (je 2 in Klasse 5 und 6 sowie eine zusätzliche weitere in der Mittelstufe). Außerdem sind die bisherigen G8-Klassen deutlich kleiner als die G9-Klassen. Ob dies auch bei künftigen Jahrgängen der Fall sein wird, ergibt sich allerdings erst, wenn das Anmeldeverfahren abgeschlossen ist. Insgesamt lässt sich an den 44 Versuchsschulen ein starker Trend zum G9 beobachten, der an einigen Versuchsschulen so weit geht, dass keine G8-Klassen mehr gebildet werden konnten.

Für welche Kinder ist nun welcher Zug der richtige? Pauschal lässt sich dies nicht beantworten, aber tendenziell eignet sich der G8-Zug eher für Schülerinnen und Schüler, die Freude an einem zügigeren Lernfortschritt haben. Hier heißt es für die Eltern – im Gespräch mit den Lehrkräften der Grundschulen und der weiterführenden Schule – eine sehr individuelle Entscheidung zu treffen. Lernt das eigene Kind sehr schnell und leicht? Sieht es sich gerade durch mehr Anforderung angespornt und motiviert? Oder benötigt das Kind für den besseren Lernfortschritt mehr Pausen? Fordert das Kind intensiv Freiraum für zusätzliche und außerschulische Aktivitäten ein? Ist zu erwarten, dass ein Kind angesichts des Schulwechsels an eine große Schule eine längere Übergangszeit braucht? Oder handelt es sich um ein Kind, das Herausforderungen sucht und sich schnell in neuen Umgebungen zurechtfindet? Eine schwierige Entscheidung und - dies hat sich schnell gezeigt – eine Entscheidung, die in erster Linie vom Wesen eines Kindes sowie der Familiensituation abhängt und erst in zweiter Linie von seiner Begabung.

Nicht nur die Stundentafel im G9 schafft für die Schülerinnen und Schüler Entlastung. Wir haben auch die G8-Stundentafel möglichst schülerfreundlich gestaltet. Sie sieht für Fünftklässler nur einen Nachmittag, für die Klassen 6-10 zwei Nachmittage vor, die allerdings in den oberen Klassen drei Unterrichtsstunden umfassen.

Ein Ziel – die gemeinsamen Inhalte von G8 und G9 am MSG

Zusammengefasst: Der G9-Zug lässt den Schülern mehr Zeit für die gleichen Lerninhalte auf gleichem Lernniveau. In beiden Zügen wird nach dem zum Start des G8 erstellten Bildungsplan von 2004 unterrichtet. Die Niveaugleichheit gewährleisten wir u.a. dadurch, dass in einigen Fächern (Französisch, Latein, Spanisch, Naturwissenschaft und Technik, Sport, Religion, Ethik) G8er und G9er gemeinsam unterrichtet werden. Nur sind die G8er in diesen Gruppen jeweils ein Jahr früher dran als ihre Banknachbarn aus dem G9. Diese Verzahnung der Lerngruppen des G8 und des G9 ist ein Kernstück unseres Konzepts, da wir Wert darauf legen, dass sich alle unsere Schülerinnen und Schüler als Mitglied der einen Schulgemeinschaft MSG wahrnehmen. In der Jahrgangsstufe führen wir dann beide Züge zusammen. Spätestens von diesem Zeitpunkt an wird gemeinsam auf das Abitur „gepaukt“.

Auch das Schulprofil gilt in gleicher Weise für die Schülerinnen und Schüler beider Züge. In den Klassen 5-8 ist mit den MSG-Stunden durchgängig von den Klassen 5 bis 8 ein verlässlicher Raum für das soziale und personale Lernen geschaffen. Die Bausteine hierfür sind im Sozialcurriculum der Schule festgelegt und umfassen Aspekte wie den verpflichtenden Klassenrat, Übungen zum Miteinander (durchgeführt durch Schülermentoren) sowie Aspekte der Suchtprävention und Gesundheitserziehung. Ebenso haben alle Schülerinnen und Schüler des G8 gleichermaßen wie die des G9 teil an unserem ganzheitlich orientierten Projekt, in dem sie ihre kreativen Fähigkeiten in vielfältigen Bereichen erproben können. Einen weiteren gemeinsamen Schwerpunkt bilden die ausführlichen Aktivitäten unserer Schule rund um die Berufsorientierung.

Mit der gemeinsamen Abiturprüfung beenden unsere Schülerinnen und Schüler ihre Schullaufbahn am MSG. Mit dem gleichen Ergebnis – aber eben auf verschiedenen Wegen.

Kontingentstundentafeln G8 und G9

Weitere Informationen zum Schulversuch G9: Kulturministerium für Kultus, Jugend und Sport

VergleichG8G9